Roths Arbeiten können "Sinnbilder von Modellen sein, wie dies bei seinen Pixelsex-Arbeiten der Fall ist, wozu auch aura calculata gehört. Und sie können, so die Lichtarbeiten, darauf aufmerksam machen, wie wenig wir über unsere Wahrnehmung und unsere Konstruktionen der Wirklichkeit wissen."
Helga de la Motte (Neue Zeitschrift für Musik)

Ohne Dirigent und ohne Partitur entstehen die komplexen Tongefüge bei aura calculata und sind doch alles andere als zufällig: Während in einer klassischen Komposition nach bestimmten formalen Prinzipien die Einsätze eines Interpreten als Zeitfolge in einer Notation festgelegt wird, so folgt die tönende Aktivität von Orgelpfeifen (oder Lautsprechern) bei aura calculata einem räumlich-skulpturalen Ansatz.

Klangnetzwerk Die im Kreis arrangierten Klangkörper bilden die einfachste Form eines Netzwerks, indem ähnlich wie bei einer La-Ola-Welle die Aktivität ihrer jeweils unmittelbaren Nachbarn steuert, ob diese im nächsten Zeitschritt spielen und leuchten oder eben aus sind.
Je nachdem, wie aktiv die jeweilige Orgelpfeife in den letzten Zuständen war, fällt oder steigt eine Wassersäule im Inneren der Pfeife. Dadurch verändert sich nicht nur die Höhe der durch Wind (lat. aura) angeregten Töne fernab von jeglicher Skala, sondern auch die jeweilige Klangfarbe.

Präsentation 2020
aura @ TU Dresden
Making-of 2016
Logische Phantasien
SMART<SOS 2018

Mikrotonale Selbstorganisation Auf diese Weise überlagern sich die Töne im Raum, bilden immer wieder Schwebungen und weben einen kontinuierlich sich wandelnden Klangteppich – eine Erweiterung des Instruments Orgel um eine mikrotonale Dimension. Dem selben selbstorganisierenden nachbarschaftlichen Kalkül – in mathematischen Fachkreisen spricht man von zellulären Automaten – folgen auch die Lautsprecherskulpturen, die bei Aktivität leuchten und die gespielte Höhe der Sinustöne durch eine entsprechende Farbe indizieren.

Aura calculata ist einer von vier Werkkomplexen von Tim Otto Roth, bei denen Klänge mittels leuchtender Soundpixel-Lautsprecherskulpturen unterschiedlich im Raum organisiert und bewegt werden.

Heaven's Carousel auf dem Kunstareal München (2025), [aiskju:b] im Musée des Arts & Métiers Paris (2023), Sonapticon im TA T Berlin (2024)