Soundpixel Eine Lautsprecherausgabe von aura calculata wurde 2015 als permanente Klanginstallation für das Foyer des Lehmann Rechenzentrums der TU Dresden konzipiert. Insgesamt 39 Lautsprecherskulpturen aus transluzentem Plexiglas – die sogenannten Soundpixel – tauschen sich lokal über Kabelverbindungen mit ihren Nachbarn aus. Jeder Lautsprecher folgt der selben additiven Regel, die ihm vorgibt, wie er auf die Aktivität seiner beiden Nachbar reagieren soll – ein ähnliches Prinzip liegt auch der sogenannten La Ola-Welle in einem Stadion zugrunde.
Aura calculata am Rechenzentrum des Lehmann-Zentrums an der TU Dresden wurde 2015 ermöglicht von Bull (Atos Group).
ⓘ 39 Soundpixel aus transluzentem Acrylglas (ca. 8*9cm), Lautsprecherelektronik, LED, Kabel, Steuerung (Atmel), Bewegungsmelder, Niedervoltspannungsversorgung, Breite ca. 400 cm.
Aktivität = Klangfarbe Ist ein Soundpixel aktiv leuchtet er in einer Farbe auf und spielt einen Sinuston. Zu Beginn spielen alle aktiven Soundpixel mit dem Kammerton A (440 Hz) den gleichen Sinuston und leuchten dabei grün. Analog zu den verändernden Wasserspiegeln in den Pfeifen der Wasserorgel verändern sich bei der Soundpixelausgabe die Tonhöhe und damit gekoppelt die Farbe in Abhängigkeit zu ihrer Aktivität. Ohne zentralen Dirigenten webt sich durch diese Veränderung der Attraktoren ein sich selbstorganisierender Klangfarbenteppich, bei dem sich die Sinustöne lokal zu unterschiedlichen Klängen mit einem orgelartigen Timbre rekomponieren.
Metrische Logik Die Dynamik der Klangfarbe ist dahingehend auch außergewöhnlich, da in Anlehnung an die Wasserspiegel in den Orgelpfeifen sich die Tonhöhen nicht logarithmisch sondern metrisch in Millimeterschritten verändern: Während sich im tiefen Bereich die hörbaren Tondifferenzen immer mehr zu einer mikrotonalen Ununterscheidbarkeit verkleinern, werden im hohen Bereich die Tonsprünge immer größer.
Über die pulsierende Steuerung, die einen in der Geschwindigkeit variierenden Zeittakt vorgibt, kann ferner insgesamt zwischen vier Varianten einer Nachbarschaftsregel gewählt werden.
War ein Soundpixel in den letzten Schritten überwiegend an, so verändert die Tonhöhe nach oben und verschiebt die Farbe spektral zum Blau.
War eine Soundpixel weniger aktiv senkt er die Frequenz. Je tiefer die Töne werden, umso mehr verschiebt sich die Farbe über Gelb hin zu Rot.
Selbstorganisierende Komposition Die Klangfarbendynamik von aura calculata zeichnet aus, dass einzelne Soundpixel über die Laufzeit hinweg radikal ihre Attraktoren verändern und damit in der Tonhöhe variieren können. Erreicht ein Soundpixel einen unteren oder oberen Grenzton, wird das ganze System wieder in seinen Ausgangszustand versetzt. Das Besondere an dieser sich selbstorganisierenden Komposition ist, dass der sich entfaltende Klangteppich den unteren oder oberen Grenzwert erst nach relativ langer Zeit erreicht.
Jenseits des Zufalls Was für einen Außenstehenden zufällig wirkt, folgt einer einfachen aber stringenten Feedbacklogik: Jeder einzelne Entwicklungsschritt ist die logische Konsequenz, die sich aus der Kombination der Startzustände des Systems und der eingestellten Nachbarschaftsregel ergibt. Diese deterministische Entwicklungsdynamik kann jedoch variiert werden in Abhängigkeit der Wahl der Regel sowie des Startzustands, der über einen Schalter an den Soundpixeln eingestellt wird und entscheidet, ob bei der Initialisierung der Lautsprecher an oder aus ist.
N°23 – die Chandelierausgabe (Hanoi 2017) Für die Ausstellung Circulating Sounds – Deep Doppler meets mathematical socialism entstand eine mobile Ausstellungsvariante mit 23 Soundpixeln zur Jubiläumsausstellung anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Goethe Instituts Hanoi. Für die Auftragsproduktion entwarf Roth neben einer kinetischen Klangskulptur auch eine kronleuchterartige Hängekonstruktion aus gelasertem Aluminium als Haltekonstruktion für aura calculata mit 23 Soundpixlen.
Dynamik der Primzahlen Trotz der reduzierten Anzahl an Lautsprechern entfaltet die Arbeit eine ungemeinem Klangfarbendynamik. Dies liegt zum einem darin begründet, dass Roth nicht nur eine Primzahl für die Anzahl der Lautsprecher gewählt hat, sondern die Tonhöhenveränderungen unter anderem auf primzahlbaiseren mikrotonalen Tonleitern, wie einer 31- oder 53-Tonskala, aufbauen lässt. Neben den orgelartigen Sinustönen kommen ferner auch gefilterte Dreieckswellen mit ihrem maschinellen Sound zum Einsatz.
An dem zwölf Meter langen bedruckten Tapetenband lässt sich von rechts nach links die musterreiche Entwicklungsdynamik der An- und Auszustände der Soundpixel in Form von 23 übereinander geordneten schwarzen und weißen Pixeln verfolgen.
Fieberkurve Bei dieser erstmals im Goethe Institut Hanoi gezeigten Ausgabe kommt zum Tragen, dass Roth systematisch das Verhalten von zellulären Automaten studiert hat und eigens dafür das Programmieren in Python lernte. Das Resultat zeigt sich nicht nur in einem größeren Spektrum an verschiedenen Regeln, die kompositorisch zum Einsatz kommen. Die Präsentation wird auch um eine an die Stirnseite der Ausstellungshalle projizierte Visualisierung bereichert, in der sich in einer fieberkurvenartigen Darstellung die Entwicklung der Aktivität verfolgen lässt.
ⓘ Steuertechnik (PC), gelasertes Aluminnium, Kabel, Acrylglas, Lautsprecherelektronik, LED, ca. 250 * 250 * 50 cm
N°23 mit Stille (Marburg 2020) Zur Ausstellung das erste mal ZUM ZWEITEN MAL im Marburger Kunstverein im Frühling 2020 wurde die Chandelierausgabe von aura calculata in zwei Modi präsentiert: So wurden mikrotonale farbige Sequenzen im Wechsel mit einem Modus ohne Ton lediglich mit weiß aufleuchtenden aktiven Soundpixeln gezeigt.
In der Gruppenausstellung, waren auch zwei MaSo-Knüpfwerke verteten, deren Muster entstanden, in dem nordindische Weber nicht nach einer Vorlage knüpften, sondern eine einfache Nachbarschaftsregel anwandten, um die zu knüpfende Knotenfarbe zu bestimmen.
ⓘ Steuertechnik (RPI), gelasertes Aluminnium, Kabel, Acrylglas, Lautsprecherelektronik, LED, ca. 250*250*50 cm.
Ausstellungshistorie
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aura calculata. Permanente Klanginstallation, Rechenzentrum des Lehmann-Zentrums der TU Dresden, seit Mai 2015.